Eröffnung 2009

Liebe Gäste, liebe Genossinnen und Genossen, lieber Herr Böttcher, liebes Theater Strahl,

Ich möchte mich bei Ihnen allen für ihr Kommen bedanken, es freut mich, dass die Preisverleihung des Roten Tuches in so langer Tradition immer wieder so viele Menschen begeistert.


Carolina Böhm

Für mich ist heute, die 26. Preisverleihung, eine besondere Ehre, denn ich bin seit einem Jahr die neue Sprecherin der Jury.
Mein besonderer Dank geht daher an Siegrun Klemmer, für ihr jahrelanges Engagement, welches den Preis getragen hat.
Dank natürlich auch für das große Vertrauen, welches sie mir entgegengebracht hat, um diese Aufgabe in meine Hände zu legen.
Diesen Wechsel möchte ich heute zum Anlass nehmen, um an dieser Stelle die gesamte Jury, die ebenfalls zum Teil schon lange den Preis begleitet und immer wieder viel Zeit investiert vorzustellen: Wir begrüßen daher herzlich: Dr. Felicitas Tesch (Hochschuldozentin und MdA), Petra Jaeschke –Wagner (Literaturwissenschaftlerin), Marliese Hoff (Leiterin des Kulturamtes Mitte), Gisela Witte-Bauer (Autorin und Dipl.Pädagogin), Susanne Schäfer (Lehrerin), Max Droll (Student der politischen Wissenschaften) und Yves Clairmont (Historiker).

 

Wir haben auch in diesem Jahr im Vorfeld viel gelesen, viel gesehen und viel diskutiert und gestritten. Es war ein spannendes Jahr und ich möchte für sie, verehrtes Publikum, in einigen Sätzen erläutern, wie wir zu unserer Entscheidung gekommen sind.

Beginnen möchte ich hier mit einem Dank an das Kulturforum der SPD-Berlin, die uns durch die Einladung zur Aufführung von Akte R in Hohenschönhausen im Sommer angeregt haben. Ein wesentlicher Aspekt in unserer Entscheidung lag im Kernthema des Stückes: Der Liebe.
Die Liebe ist ja, wie wir wissen, ein Thema, das Jugendliche auf besondere Weise bewegt.
Ich bin im Berufsalltag momentan sehr viel auf Berliner Schulhöfen aller Schularten in allen Bezirken unterwegs und habe erfahren: Wer liebt wen, wer wen nicht mehr und warum, das ist im Alltag immer noch meistens wichtiger als die nächste Mathestunde oder die Biologieklausur. Das hat mich auch beruhigt.
In diesem Moment, in dem die Jugendlichen erfahren, es ist eine Liebesgeschichte, kommt ein Wert ins Spiel, welcher in den letzten Tagen oft zitiert wurde: Die Freiheit. Dass diese Liebenden sich nicht sehen können, so oft sie wollen, dass der junge Marko inhaftiert wird, weil er seine Liebe leben will, verhindert durch einen Staat, für den Freiheit eine Bedrohung darstellte. Eindrücklicher lässt sich das Unwesen der DDR für Jugendliche kaum darstellen. Ohne Freiheit, meine Damen und Herren, existiert auch keine gesellschaftliche Vielfalt und so erleben Jugendliche in diesem Stück hautnah, wie dem inhaftierten Marko seine Individualität geraubt wird.

Ein zweiter wichtiger Grund für die Entscheidung zu dieser Preisverleihung liegt in der Solidarität mit eben auch den kleineren Bühnen dieser Stadt. Das Rote Tuch ist ein Preis der Sozialdemokratischen Partei. Die Sozialdemokratie steht seit ihren Anfängen für öffentliche Bildung, für kulturelle Bildung als wichtiges, als zentrales Element von demokratischen Gesellschaften.
Das Theater Strahl wirkt in Berlin und über die Stadtgrenzen hinweg seit 1987 und bietet Jugendlichen ab 12 Jahren anspruchsvolle und oft auch erstmalige Begegnungen mit dem Theater. Dabei werden immer wieder Themen aufgegriffen, die schwierig und sperrig sind und die andere vielleicht meiden würden. Das ist nicht nur kulturelle Bildung, das ist mutige kulturelle Bildung und wir sind dem Theater zu großem Dank verpflichtet. Diesen Dank, diese Wertschätzung hier zum Ausdruck zu bringen, für ein Theater, welches eben nicht immer im Fokus der Öffentlichkeit liegt, das lag uns am Herzen.

Als neue Sprecherin der Jury nehme ich mir jetzt heraus zu sagen: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ und wünsche uns allen hiermit einen zauberhaften Sonntagvormittag.

Carolina Böhm